Bücher – richtig gut!

Meine »very personal note« zum Wochenende

Ich habe gerade die Vorstellung der Herbst- und Winterprogramme »meiner« Buchverlage durchgesehen. Angeblich gibt es 70.000 neue deutschsprachige Titel pro Jahr! Ich kenne nur wenige davon und kann leider überhaupt nur wenige davon für www.buecher-blog.net lesen.

Während die großen Zeitungen und Zeitschriften mit ihren Bestsellerlisten den Zeitgeist diktieren, höre ich gerne auf die Streetworkerinnen in den Presseabteilungen der Verlage. Auf meiner Liste ist die Männerquote dort seit Jahren bei Null. –

Herbst und Winter 2017/18 werden büchermäßig wieder spannend. Bei US-Präsident Trump beispielsweise dreht die aktuelle Satire durch, wenn der atmet, schmollmundet oder wieder einmal mit flacher Hand unseren Bildschirm von innen fensterwischt. – Das ist nur solange witzig, wie Donald das rote Plättchen beim »Flohhüpfen« nicht mit dem roten Knopf verwechselt.

Auf der anderen Seite wollen Flüchtlinge einfach nur überleben, auch in ihren (Auto-) Biografien, von denen ich mir kaum vorstellen kann, dass sie sie selbst in dieser fremden Sprache namens Deutsch bereits lesen können. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass die Mehrheit, die aus der Krise kommt, keine Flatrate für den Konsum sucht – und ganz sicher keine Freikarte für sich zu 70 Jungfrauen.

Zwischen diesen Extremen gibt es eine Menge Schattierungen – und nicht nur die 50 von letztens in Grau. Die Welt denkt mit. Viele »Autoren« lassen schreiben. Andere pd-äffen und publishen e, damit ja kein Lektor, Redakteur oder Verleger ihre Botschaft mit berechtigten Fragen nach den Quellen torpediert. Oft genug tragen diese Quellen nicht einmal einen Zeitstempel, und selbst dann sind sie schon Sekunden nach der Berührung mit dem Clipboard im Datenäther verpufft.

Ich sehe mich im Vergleich zu den rein »Elektronischen« als Waldarbeiter. Mit verschwitztem Hemd, von Dornen und der Kette zerrissener Hose, mit Erde und Harz unter den Nägeln. Die höchste Bestimmung für einen Baum ist in meinem Weltbild eben doch nicht der Christbaum oder das Billy-Regal, sondern ein Buch. Es fühlt sich an, geht ohne Strom, sieht (meistens) toll aus, knistert und »Sssssstt!« beim Blättern. – Das Buch fällt nicht weit vom Stamm: Buch und Bäume haben Blätter!

Bücher duften auch, und manche schmecken sogar. »Mathe der Mittelstufe« endete vor Jahrzehnten seitenweise als zurechtgebissene Krampen für die Gummizwille oder zerkaut als Pappmaché fürs Blasrohr zur Milchtüte in Erdkunde und Bio.

Das geht mit einem e-Reader nicht. Der hat im Normalfall höchstens soviele Bakterien auf dem Bildschirm wie eine Klotür an der ach so unterschätzten Oberkante. Ein Biss in den »E« – und du stirbst an Cholera oder seltenen Erden.

Ich mache weiter mit Büchern, die blättern. Lese sie, werfe sie zurück in den Pool und freue mich über jeden, der in der Straßenbahn das gleiche Buch ebenfalls liest. Vielleicht sogar, weil er vorher auf www.buecher-blog.net war.


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