Bestmögliches auch nach 125 Jahren

Was dein Sport über dich verrät

Der Sportverein Sillenbuch (SV) feierte 2017 sein 125-jähriges Bestehen. Bei der großen Feier am 1. Juli waren neben Tischtennisspielern, Draußen-Sportlern und Tanzgruppen auch die Judo-Athleten mit einer kleinen Mattenfläche zu Gast am Spitalwald unterhalb des Stuttgarter Fernsehturms.


Thomas Frankenbach - Warum Läufer beharrlich sind und Surfer das Leben genießenJede sportliche Disziplin eignet sich für Metaphern im Training und Coaching – und als hilfreiches Regelwerk für das ganze Leben. Der ehemalige Leistungssportler Thomas Frankenbach hat dazu sogar ein empfehlenswertes Buch geschrieben: »Warum Läufer beharrlich sind und Surfer das Leben genießen«. Mehr zum Buch gibt es auf www.buecher-blog.net.


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Auch Judo sagt etwas aus über seine Anhänger. Jigoro Kano (1860–1938), Begründer dieses Kampfsports, hat zwei Grundgesetze verfasst, die im Training immer wieder eine Rolle spielen. Ich finde, sie sollten das auch außerhalb des Dojos tun:

  • »Ji-Ta-Kyo-Ei«: Das moralische Prinzip fordert uns »zur gegenseitigen Hilfe für den wechselseitigen Fortschritt zum beiderseitigen Wohlergehen« auf.
  • »Sei-Ryoku-Zen-Yo«: Das technische Prinzip steht für den »besten Einsatz von Geist und Körper, der vorhandenen Möglichkeiten und Kräfte«.

Ich mag beide Prinzipien, erst recht seit die »Lackschäden« mit jedem Jahr auffälliger werden. Niemand muss jedoch immer das maximal Vorstellbare leisten und rennen wie Usein Bolt. Das entspannt, falls ich einmal in die Vergleichfalle gerate. Aber …

Aber das Bestmögliche unter den aktuellen Bedingungen bekommt jeder hin. Jeder kann sich auf seine Weise maximal schnell bewegen, selbst wenn er damit langsamer bleiben wird als der Goldjunge von Olympia. Wir können immer mehr als gar nichts tun. Und Anfangen damit geht jederzeit.

Birgit Beierl vermittelt das ABC der Falltechniken.

Birgit Beierl war schon zum 100-Jährigen des SV Sillenbuch mit dabei. 25 Jahre später lehrt sie Kinder im Grundschulalter das ABC des Fallens.

Früh üben sich in ihren besten Möglichkeiten auch die Kleinsten. Birgit Beierl feierte 2014 ihr Silbernes im Sportverein Sillenbuch. Zum 125-Jährigen ist sie bei den Falltechniken noch immer in ihrem Element. Gutes Fallen nutzt den heutigen Kindern auch dann noch, wenn sie selbst Eltern oder sogar Großeltern sein werden.

Fallen ist keine Schande. Aber Liegenbleiben muss nicht sein.

Über Hindernisse stürzen und trotzdem immer wieder aufstehen, das ist auch eine Metapher für das ganze Leben.

Völlig losgelöst mit einer Flugrolle über vier Athleten – dafür brauchen auch Judoka Übung und Mut. Die Spieler an der Tischtennisplatte im Hintergrund sind da andere Flugeigenschaften gewöhnt und überlassen die Aerodynamik kaum drei Gramm schweren Bällen über einem 15 Zentimeter hohen Netz.

Das Bestmögliche geht in jedem Alter.

Miteinander reden und einander in der Auseinandersetzung vertrauen: Auch jenseits der Matte ist jeder jederzeit und auf jedem Niveau ein Lernender.

Fallen geht im Judo ohne und mit Partner vom Anfänger bis hin zum hoch graduierten Meister. Eberhard Jörg im blauen Anzug wirft Jürgen Kohler. Beide waren 2010 meine Prüfungspartner zum 4. DAN. Eberhard ist mit über 30 Jahren Zugehörigkeit das dienstälteste Mitglied der Judoabteilung.

2015 setzten Eberhard und ich mit dem 5. DAN einen weiteren Akzent in unserer Judo-Laufbahn, die irgendwann in den 1970er Jahren begann. Irgendwie fühlt sich die letzte Prüfung an wie angekommen. – Und jetzt geht das Lernen erst richtig los.

Judoka lernen ein Leben lang.

Mit Gelborange sind die Judoka links schon eine Weile dabei. Viele Jahre später tragen sie dann vielleicht ebenfalls »Schwarz« im Gurt.

Volker Kintzinger (rechts) hat als Kind wie die Fallschüler oben beim SV Sillenbuch mit Judo angefangen. Jetzt ist er mit dem 1. DAN selbst Meister und leitet Trainings – ebenso wie Winfried Janz, den das Judo nach ein paar Jahren Pause nicht losgelassen hat: »Braun, der höchste Schülergrad, war einfach noch nicht fertig!« Beide erklären in der großen Halle des SV Sillenbuch fortgeschrittene Techniken in der Ausführung der Nage-no-Kata.

Ein großartiger Freund und Judoka. Augustin Affovi ist 2017 der älteste aktive Judoka des SV Sillenbuch.

Augustin Affovi (* 1950) ist das älteste und noch immer aktive Mitglied der Judoabteilung im SV Sillenbuch. Kurzum: Ein großartiger Judoka und auf seine Weise eines meiner Vorbilder für Lebenslänglich in unserer Sportart.

Augustin Affovi leitet seit über 20 Jahren die Judoabteilung. Normalerweise legen wir unsere Matten in der Gymnastikhalle des Sillenbucher Altenwohnstifts »Augustinum« aus. Gerade die ganz jungen Athleten sind deshalb überzeugt davon, dass unser Dojo nach unserem Mann aus Togo benannt wurde.

Augustin trägt den 4. DAN im Judo und bildet sich laufend auf Judo zur Selbstverteidigung weiter. Mit 67 Jahren übernimmt er auch zum Jubiläum des SV eine Einheit. – Jigoro Kano hatte eben Recht: Unser Bestmögliches können wir in jedem Alter und unter jeden Bedingungen tun.


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