Mick Fleetwood – Play On – Fleetwood Mac & Ich

Exzesse, Ekstase, bedingungslose Hingabe

Mick Fleetwood mit Anthony Bozza - Play On: Fleetwood Mac & IchKEN. In seinen besten Zeiten war der über einsneunzig große Drummer Mick Fleetwood (* 1947) schlaksig wie John Cleese. Der zog mit »Monty Python« durch die Filmgeschichte, während Mick Fleetwood seit 1967 den Rhythmus in der legendären Band Fleetwood Mac angibt. Und ein Ende mag sich niemand vorstellen.


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Fleetwood Mac ist ein britisch-US-amerikanischer Dauerbrenner – seit fast 50 Jahren. Die Band startete einst als Bluesband Peter Green’s Fleetwood Mac, inspiriert von Peter Green, der als Solist und mit anderen Bands Stücke wie »Albatros« inszenierte. In den frühen Jahren von Fleetwood Mac schrieb er »Black Magic Woman«, das durch die Adaption von Carlos Santana zum Welthit wurde. Peter Green’s Fleetwood Mac verkauften 1969 mehr Schallplatten als die Beatles und die Rolling Stones zusammen. Auch das ist ein Datum, das die Band positioniert.

Ab 1970 war Fleetwood Mac ohne Peter Green unterwegs. Die Band blieb in wechselnder Zusammensetzung und mit unterschiedlichen Sängerinnen als Verstärkung erfolgreich – bis heute. So ziemlich von Anfang an dabei ist John McVie, ein begnadeter Gitarrist und Sänger.

Mick Fleetwood schreibt mit seiner Autobiografie kein Lexikon der Mainstream Rock- und Popmusik. Das überlässt er längst Musikhistorikern. Dabei könnten all die Stars, mit denen er im Laufe seiner Karriere zusammenkam, locker für eine Geschichte der Musik rund um Mick Fleetwood herhalten.

Co-Autor von »Play On – Fleetwood Mac & Ich« ist Anthony Bozza, der Mick Fleetwood zuvor für den »Playboy« interviewte. Nein, dieses Buch sollte kein Geschichtsbuch werden, sondern Mick Fleetwood so präsentieren, dass die Zwischentöne deutlich werden. Zum Beispiel, dass er ein begeisterter Lerner in vielen Bereichen ist, aber die Schule in England wegen einer starken Lern- und Merkschwäche abbrach. Zumindest konnten die Lehrer seiner Waldorfschule damit umgehen, und sie unterstützten sein musikalisches Talent. Mick Fleetwood wurde einer der weltbesten Drummer – auch wenn er bis heute kaum jemandem erklären kann, was er am Schlagzeug eigentlich macht. Es passt eben trotzdem immer.

Entstanden ist ein sympathisches Buch, in dem Mick Fleetwood zu den Skandalen, seinen Alkohol- und Drogenexzessen steht, darauf aber wie jemand zurückschaut, der seinen Kindern und Enkeln jetzt endlich ein Vorbild sein möchte. Die Kokainlinie, die er bis zu seiner Läuterung weggeschnupft hatte, wurde von Journalisten auf über 20 Kilometer und einen achtstelligen Markwert geschätzt.

Dezent und wertschätzend geht Mick Fleetwood mit seinen Ehefrauen um, mit den Auseinandersetzungen innerhalb der Band sowie mit dem externen Management, das vergleichsweise spät die Geschäftsführung der Band übernahm. Bis dahin war auch das Teil der Arbeit von Mick Fleetwood selbst. Weil er zu gutmütig war, blieb trotz der vielen Millionen verkauften Platten immer wieder zu wenig übrig. Immerhin kann Mick Fleetwood von sich behaupten, dass er von seinem Schlagzeug aus die Bühne und seine Band in allen Bereichen führte wie kaum ein anderer Drummer einer Weltband.

Es macht Spaß, in »Play On – Fleetwood Mac & Ich« ein bisschen »backstage« zu gehen, wobei ich die Geschichte, die Mick Fleetwood erzählt, sehr freundlich finde: Er führt uns wie durch ein Museum, das vor allem die schönen Dinge zeigt, so wie die Musik von Fleetwood Mac vor allem schön anzuhören ist. Vielleicht ist das Buch damit vor allem ein weiterer Beitrag zur Legendenbildung rund um die erfolgreiche Band. Dazu gehören die beiden Holzeier, die Mick Fleetwood bis heute gerne während der Konzerte an seinem Hosengürtel baumeln lässt. Oder der Riesendildo, der lange zum Bühnenbild von Fleetwood Mac gehörte und der genügend Eltern nötigte, ihren Kindern Konzerte der Band zu verbieten.

Das klingt dann eher wie Streiche von Halbstarken, die tatsächlich extrem harte Arbeiter waren – und das nun fast ein halbes Jahrhundert lang geblieben sind. Die Welt soll eine ihrer liebsten Rockbands in guter Erinnerung behalten. Selbst das Weiße Haus unter Bill Clinton, in dessen Garten Fleetwood Mac als Überraschungsband auftreten sollte. Mick Fleetwood hätte die Überraschung platzen lassen müssen, wenn er durch die Menge hindurch zum Klo gestakst wäre. Und das war ziemlich dringend. Ein Beamter des Sicherheitsdienstes holte die Erlaubnis des Präsidenten: »Mr. Fleetwood steht es frei, auf den Rasen des Weißen Hauses zu pinkeln.« Ritterschlag in England geht anders, aber das ist auch eine Alternative.


Ein Beitrag von www.buecher-blog.net.

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